musizieren

Worttrennung: mu|si|zie|ren

 

Beispiele:

Christine spielt Musik

Christine bringt zu Gehör

Christine und Richard musizieren gemeinsam.

 

Keinen Mann anlächeln. Blick gesenkt halten. Und einfach den Herzschlag überhören, wenn man den eigenen Schatten hinter sich erblickt. Stets wachsam sein. So funktioniert die Christine. So kommt sie durchs Leben und so verliert sie niemals die Kontrolle. Nur mit der Gitarre im Arm ist das anders. Da kontrolliert sie die Saiten, die Schwingungen, diese kleinen Beben, die ihren ganzen Körper aufschütteln und zur Ruhe kommen lassen. Mit der Gitarre am Schoß ist alles einfacher. Deswegen nimmt sie die Gitarre auch immer zu Ausflügen oder Feiern mit. Alkohol hilft bei ihr nichts. Da muss sie sich einfach nur übergeben. Das muss sie nicht öfter austesten. Zweimal reicht. Aber wenn sie Musik macht, steht nicht sie im Mittelpunkt, sondern die Musik. Und es starrt nicht jeder auf ihren Körper, sondern auf ihre Hände an der Gitarre und ihr Gesicht, das sich über Mimik versucht einzufühlen. Denn die Augen bleiben dabei geschlossen. Dass alles nur sie und die Gitarre ist. Alles. Dass sie diese Blicke, derer sie sich bewusst ist, sie so einfach nicht sehen muss. So hatte sie es auch bei der Vereinsfeier im Sommer gemacht, bei der auch Richard war. Bei dem das mit dem Alkohol sehr gut funktionierte, der den aber nicht brauchte, um sich gut unterhalten zu können. Ihm war bewusst, dass er nicht mit einer Gitarre überzeugen müsse. Und er scherte sich nicht darum. Aber so, wie sich die Christine mit der Gitarre ausdrückte, da konnte er nicht wegsehen. Und er wusste, dass sie ihn nicht sehen würde. Dass sie nur die Gitarre sieht, wenn sie musiziert. Er sah das Beben, das sie umgab und wollte nichts mehr als Teil dieses Beben sein. Also trat er vor sie, ließ sie ihr Lied beenden, reichte ihr die eine Hand und mit der anderen die Gitarre weiter und ließ sie um das Lagerfeuer schweben in seinen Armen, die ganz genau wussten wie weit sie gehen durften. Die sie nicht kontrollieren musste, weil sie verstanden. Weil sie sich in seine Arme fallen lassen konnte. Und sie wirbelten um das Lagerfeuer und sahen die Blicke nicht. Und sie wirbelten durch ihre Elternhäuser, durch fremde Länder bis hin zum Ja-Wort vor dem Altar. Und sie sollten diese Momente nie verlieren. Das glaubte Christine. Das glaubte Richard. Und wenn sie in ihren Armen lagen, dann wussten sie es.

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