umarmen

Worttrennung: um|ar|men

 

Beispiele:

Richard hat Josefin umarmt. Sie umarmten sich.

Richard legt die Arme um Josefin.

Richard umschließt mit seinen Armen Josefin und drückt sie an sich.

In übertragener Bedeutung: Richard war so glücklich, dass er am liebsten die ganze Welt umarmt hätte.

 

Weil sie das Gefühl hat, die Berge schließen sich über ihr, hat sie gesagt, die Mutter. Weil die Nächte so lang und die Tage so bewölkt sind. Dass mit jedem Tag die Berge sich ein bisschen mehr schließen. Und sie eigentlich rauf müsste, da auf die Berge. Aber es nicht schafft. Und er reist durch die Welt, kommt nach Hause und erzählt und sie sitzt mit ihrem Kind im Wohnzimmer und hört das Knistern des Kachelofens. Und das Rauschen des Windes – tagein, tagaus, hat sie gesagt, die Mutter, Josefin hat ihr schmerzverzerrtes Gesicht nicht gesehen. Nur, wenn sie aus dem Fenster blickt und dabei vor sich hin träumt. „Wie wäre es denn mit diesem Mann, der gerade vorbeigeht? Was meinst du Josefin? Der wäre doch bestimmt ein guter Mann.“ Josefin sagt nichts. Sitzt am Boden. Und erzählt sich eine Geschichte. Und die Mutter sitzt da und langsam wandert etwas in ihr hoch. Ganz langsam. Und an diesem Tag muss es sich einfach wieder entladen. Wie die Batterien, die Josefins Spieluhr, die sie schon immer hatte. Oder das Fell von ihrer Katze, wenn man sie ganz fest mit einem Handtuch reibt. Aber Josefin sieht nicht, wie sich das Gesicht der Mutter entlädt. Sie bleibt hinter der verschlossenen Türe. Wenn sie jetzt hinaus gehen würde, würde die Mutter sofort schweigen,  und sie auf den Arm nehmen, ihr den Rücken tätscheln und hinter vorgehaltenen Tränen fragen, was ihr kleines Mädchen denn gern zu Abend essen möchte. Und Josefin würde spüren, wie sie innerlich bebt. Und Josefin hat Angst davor, dass die Mutter sie dann erdrücken würde. So wie sie Vater in das Sofa drückt. Bis er nicht mehr aufstehen kann, um sie davon abzuhalten, das Haus zu verlassen. Und Josefin sitzt da und sieht, wie ihr Vater weint. Er nimmt sie auf den Schoß, umschließt ihre Wangen, küsst sie auf die Stirn und umarmt sie. Und erklärt ihr, dass alles gut wird. Und sie spürt wie er innerlich bebt. Josefin bewegt sich nicht. Sie steht still. Sie versucht das Beben zu bändigen. Ihm keinen Spielraum zu geben und drückt den Vater zurück, so fest sie kann. Und langsam versiegen die Tränen des Vaters und sie sitzen Arm in Arm am Sofa. Mit geschlossenen Augen. Bis doch hoffentlich die Mutter wieder zurück kommen möge.

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